Everybody loves the sunshine
Was ist schön?

Bitte keine Vinyl only Releases mehr

Wochenende und ich hab mir Zeit genommen, meine Schallplattensammlung zu sortieren. House zu House, Pop zu Pop, Techno zu Techno. Nebenbei aktualisierte ich meine digitale Mediathek mit den Songs, welche ich zwar als Vinyl, aber noch nicht digital habe. Kam zwar ein bisschen teuer zu stehen – hat sich aber meiner Meinung nach gelohnt. Denn ich bin in letzter Zeit so viel unterwegs, dass sich gar keine Gelegenheiten zum Schallplattenhören ergeben. Und wie sonst soll ich meine Plattensammlung sonst kennenlernen?

Da gibt es aber noch ein Problem. Wie ihr euch bestimmt vorstellen könnt, liegen bei mir zahlreiche Vinyl only Releases rum. Und die Songs muss ich mir entweder durch Herunterladen des Soundcloud Previews oder durch mühsames Digitalisieren, in meine Mediathek bringen. Und beides klingt schlussendlich grauenhaft. Als Vinyl Aficionado muss man halt damit leben.

Aus diesem Grund zähle ich mich zu den Menschen, welche Vinyl only Releases verteufeln. Der Name Vinyl only steht für mich sowieso als verzweifelter Versuch eines Labels, durch aufgesetzte Exklusivität kurzfristige Gewinne einzufahren. Der Trick ist alt, kennt man aus der Lehre des wunderbaren Marketings und ist die Antwort auf die Frage, wie man den überrissenen Preis eines Markenproduktes begründet.

Zwischen Vinyl only Releases und Markenklamotten sind nämlich gar nicht so viele Unterschiede festzustellen. Beide Produkte täuschen eine geringe Verfügbarkeit, hohe Exklusivität und einen hohen emotionalen Wert vor. Das Beispiel Vinyl only ist an Sammler gerichtet, die durch den Kauf eine Wertanlage sehen, Puristen, die in der Perfektion der Scheibe ein Lebensgefühl finden und schlussendlich Statuskäufer, welche damit schlicht prahlen möchten. Zum Glück kann ich mich nicht zu letzteren dazuzählen.

Folgendes haben nicht viele Labels in ihrem Marketingkonzept bedacht: Die geringe Verfügbarkeit ist das stärkste Argument für den Kauf eines seltenen Vinyl only Releases. Es ist eine Kunst, ein Luxusprodukt zu einem Mythos hochzuzüchten. Das lässt sich nicht so einfach erreichen. Es sei denn, man hat einen genialen Marketingstrategen am Start.

Und wer keinen genialen Marketingstrategen am Start hat, sollte am besten gar keine "exklusiven" Releases herausgeben. Das Label Razor-N-Tape zum Beispiel bringt geile Mucke. Jedoch trägt gefühlt jede zweite Herausgabe die "Vinyl only Exklusive"-Etikette, was dem Prinzip der Exklusivität wiederspricht und das Ganze ins Lächerliche zieht.

Man könnte sich stattdessen auf die Selektion von richtig guter Musik konzentrieren. Und damit meine ich RICHTIG guter Musik. Der Markt wird sowieso ständig mit billigem Schrott geschwemmt, da braucht's jemand der von Anfang an gründlich Aussortiert und nur den guten Stoff unter die Leute bringt. Nur so kann ein Label nicht nur ein Name sein, den man für die Selektion guter Musik vertrauen kann, sondern am Ende sogar eine Legende.

P.

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