gefunden und für gut befunden! #10
Für dich freigegeben: John Talabot - EDITS

Wieso ich der Haifischbar einen Besuch abstatten wollte..

Entweder war es die Opening-, oder die Closingparty des Station Clubs, welche mich mal wieder in die Innenstadt lockte. Ich wollte die erste – oder letzte – Party des Station erleben und entschied mich, meinen Kumpel Tenzin mitzunehmen. Tenzin hatte aber schon mit zwei seiner Kumpels abgemacht, welche ich auch aus der Schulzeit kenne und so kam es, dass wir zu viert in den Ausgang gingen.

Beim Station Club angekommen, trafen wir auf eine endlos lange Schlange bis zum Eingang des Clubs – was eigentlich voraussehbar war. Und weil Schweine zuerst fliegen lernen, bevor einer Clique mit 4 Jungs in einem Zürcher Club Einlass gewährt wird, wollten wir nicht versuchen die Gesetze der Physik zu brechen und entschieden uns, ein anderes Lokal aufzusuchen.

Der eine gemeinsame Freund von Tenzin und mir schlug als Alternative den Piranha Club vor. Ein multikulti Club im Herzen der Langstrasse. Gerade erst letzte Woche konnte er angeblich lässig eine Tussi abschleppen. „Geil, gömmer“, antwortete der andere gemeinsame Freund von Tenzin und mir, ohne zu zögern.

Während die anderen an den multikulti Club an der Langstrasse dachten, verwechselte ich beim Namen Piranha den Club mit dem Striplokal Haifisch im Niederdorf und stellte mir vor, wie mein Kumpel aus der Schulzeit für Sex bezahlte, mit dem Gewissen, einen One-Night-Stand einzugehen. Kann ja mal passieren, wenn man jedes Wochenende beschickert ist.

Es dauerte ein bisschen, bis ich mich für den Vorschlag, in ein Striplokal zu gehen, überreden liess. Denn ich kannte den Haifisch schon von Freunden. In deren Schilderungen gab es keine One-Night-Stands und flüchtige Bekanntschaften, sondern auf der Bühne tanzende Frauen, die man so lange angehimmelt hatte, bis diese einen als Transen überraschten. Nicht unbedingt mein Ding. Ich liess aber nach, denn unsere gemeinsamen Freunde schworen auf das Piranha (selbstverständlich war der multikulti Club an der Langstrasse gemeint und nicht der Stripschuppen).

Ich musste in dieser Nacht den Stadtführer spielen und lotste uns aus Versehen zum Haifisch. Die anderen waren in ihrer Welt versunken und kriegten gar nicht mit, dass wir auf falschem Kurs waren. Mit der Strassenbahn erreichten wir die Rudolf-Brunn Brücke. Auf mein Kommando stiegen wir aus und blieben vor dem Schild mit dem Haifisch stehen.

„Rauch no fertig, denn gömmer ine.“

„Was da?!“

„Ja, häsch nöd welle is Piranha?“

„Das isch t’Haifischbar!“

Kann jedem Mal passieren. Zu meinem Erstaunen war mir niemand wütend – muss wohl das Dosenbier gewesen sein. Wir kamen schlussendlich doch noch – nach einer längeren Wanderschaft durch die Stadt – vor dem Piranha an. Der Türsteher begrüsste uns gar nicht. Wir bekamen von einem Barkeeper einen Platz in der Raucherlounge und ich verschaffte mir einen ersten Eindruck vom hochgelobten Piranha.

Die Website des Clubs lügt nicht; das ist der multikulturellste Club, denn ich je gesehen habe: Ein paar Türkinnen tanzten gemeinsam zum lateinamerikanischen Reggaeton eines DJs. Es wird orientalische Shisha geraucht, die Gäste stammen aus dem Balkan, Brasilien, der Schweiz. Die Stimmung ist grundsätzlich gut, doch der Anblick eines Philippiners, der sich zu Musik bewegt, die für ihn kulturell wortwörtlich von der anderen Seite des Planeten stammt, hat etwas an sich, was nicht so ganz stimmt...

Es schaute nämlich fast so aus, als würde der arme Kerl an Identitätsverlust leiden und im Unwissen darüber sein, welcher Kultur er angehören soll. Die ganze Szenerie passt nicht, aber die Veranstalter wissen, was das Herz des einfachen Partyvolks begehrt und zögern auch nicht, das zu liefern – ganz egal, aus welchem Teil der Welt es stammt. So sorgte zum Beispiel eine grossbusige Afrikanerin für Getränke und ein tamilischer Kleinwüchsiger im Smoking, durch Aufsammeln der Plastikbecher, für generelle Sauberkeit im Club. Dieser hat ausserdem noch die Aufgabe, hie und da zur Belustigung aller auch noch seinen Kopf hinzuhalten, um von betrunkenen Gästen gestreichelt zu werden.

Ein Kulturschock - hat aber Spass gemacht. Kann sich jemand noch an diesen Song erinnern?

Nicht vergessen, bald ist Caliente! :P

P.

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