Review: Perverts in White Shirts - Power to the Sheeple
Mix: Azul Loose Ties

Interview: Matrixxman

Manchmal geschehen verrückte Dinge. Nachdem ich folgenden Facebookpost von Matrixxman gelesen habe, musste ich schon zweimal hinschauen.

Als Fan von beiden Acts musste ich mehr über diese überraschende Zusammenarbeit erfahren. Also habe ich mich gleich zusammengerafft und Charles Duff aka. Matrixxman einige Fragen zur Zusammenarbeit am neuen Album von Depeche Mode gestellt.

Hallo Matrixxman, es ist mir eine Ehre dich hier bei uns zu haben! Erzähl mal: Wie geht es dir eigentlich und was geschieht gerade in deinem Leben?

Matrixxman: Danke! Es ist mir auch eine Freude mit euch Jungs zu plaudern. Mir geht es gut, hektisch aber grundsätzlich gut. Mein Alltag besteht zurzeit aus Reisen; von DJ Gig zu DJ Gig und wieder zurück nach Hause, wo ich weiter an Musik arbeite. Als ich noch in den Staaten gelebt habe, musste ich nur ein paar Mal im Monat reisen. In Europa ist es jetzt grundlegend anders. Hier gibt es eine grosse Resonanz für gute "underground dance music", egal ob Techno oder House.

Du hast mit Depeche Mode am neuen Album Spirit gearbeitet, wie ist das zustande gekommen?

Matrixxman: Irgendwann im letzten Frühjahr hat mich Martin Gore angerufen und wir haben uns über Musik unterhalten. Er meinte, dass ihm mein Sound gefalle und ich eigentlich gut ins neue Album passen würde. Ich habe später Wind von jemandem im Camp bekommen, dass sich die Band am Anfang nicht ganz sicher mit diesem Entscheid war - einen anstössigen Amerikaner wie mich ins Studio einzuladen. Aber James oder jemand anderes hat sie dann mit den Worten beruhigen können: "Das geht in Ordnung. Charlie ist nicht der durchschnittliche Amerikanertyp." Da musste ich ordentlich lachen, als ich das gehört habe.

Kulturell war das Erlebnis sehr spannend, da ich noch nie so lange von Briten umgeben war. Nach satten drei Monaten in Isolation mit diesen Basildon Jungs, kam ich mit allen Arten von Cockney Slang, Reimen und unbrauchbaren, anstössigen und umgangssprachlichen britischen Ausdrücken nach Hause. Diese sollte ein Amerikaner nie lernen! Verdammt, im Nachhinein hätte ich sie eigentlich für diese kulturelle Erfahrung bezahlen sollen.

Du hast ja auf Facebook von einer Kollaboration mit Martin Gore gesprochen. Hast du nur mit ihm, oder der ganzen Band gearbeitet?

Matrixxman: Ach ja. Durch meine Rolle als Assistent von Martin Gore, habe ich vielleicht schon etwas mehr Zeit mit Martin verbracht, als mit den andern. Doch wir haben alle zusammen am Album gearbeitet. Wir kamen gut voran und hatten überschüssige Studiozeit. Deshalb wurde spontan entschieden, dass Martin, Kurt und ich einige "alternative Versionen" machen, welche dann auf der Deluxe Edition erscheinen sollen. Grundsätzlich ging es darum, keine Studiozeit zu verschwenden und während das Album abgemischt wurde, hatten wir sowieso nichts Besseres zu tun.

Wie soll ich mir vorstellen, mit diesen Jungs zu produzieren? Hast du deinen Yamaha DX21 Synthesizer eingepackt und ihnen gezeigt, wie man die Tasten drückt?

Matrixxman: Haha. Nein der Yamaha DX Synthesizer blieb leider auf der Strecke. Aber ich konnte Martin überzeugen, seine Roland TR-909 und seinen Oxford Oscar mitzubringen. Während der anfänglichen Evaluierungsphase fragte mich Martin, ob ich mich mit Modularsystemen auskenne. Ich meinte nur, dass ich mich nicht sehr gut damit auskenne. Woraufhin er sich sprichwörtlich krankgelacht hat. Er antwortete darauf: "Ja dann solltest du besser mit ihnen vertraut werden."

Am ersten Studiotag in Santa Barbara, einige Monate später, bin ich in den Raum mit dem Equipment gekommen und mir ging gleich der Kinnladen runter. Martin hat nur ungefähr einen Viertel seines Rigs mitgebracht und hat trotzdem das ganze Studio damit ausgefüllt. Da waren enorme viele Euroracks und nur einige wenige Polysynthesizer. Das war mein Glück; ich bin eher ein traditioneller Synthesizer Typ. Ehrlich gesagt: Ich war am Arsch. Aber ich liebe Herausforderungen, also bin ich in die Materie eingetaucht und habe herausgefunden, wie ich damit zu Arbeiten hatte und ich die verschiedenen Elemente verbinden konnte.

Zu Anfang war es extrem einschüchternd, was zu erwarten war glaube ich. Ich hatte das Glück, mit ein paar coolen Geräten zu experimentieren, welche mir grossen Eindruck machten. Da waren Dinge, die wir immer wieder benutzt haben, wie beispielsweise den Koma Komplex Sequencer, Mutable Instruments Clouds, verschiedene Effektgeräte von Make Noise und einem Moog Modell 15.

Was hältst du vom Endprodukt?

Matrixxman: Hmmm... Das Endprodukt hat jeden, der involviert war beeindruckt. Beim Produzieren stiessen wir auf Klänge, die tiefsitzende Gefühle wecken. Diese widerspiegeln den Klang des Albums ziemlich gut, denke ich.

Es wurde echt schön, obwohl es an manchen Stellen dunkel und apokalyptisch ist. Offensichtlich bin ich ein bisschen voreingenommen, aber im Vergleich zu ihren letzten Alben, fand die Band einen neuen Klang, was wiederum bemerkenswert für eine Gruppe an diesem Punkt in ihrer Karriere ist. Es werden darin viele soziale Fragen angesprochen, die für die unangenehmen Gefühlszustände, die wir zurzeit als Menschheit erleben, nicht relevanter sein könnten.

Lass uns über deine eigenen Projekte sprechen. Du hast Dekmantel Sector I & II releast. Was kommt als Nächstes?

Matrixxman: Ich habe gerade einige EP's fertiggestellt. Ich denke, dass bis zum Ende des Jahres ungefähr 5 oder 6 Vinyl-Releases kommen. Ich könnte mich selber dafür schlagen, dass ich nicht mehr Musik herausgegeben habe. Doch schlussendlich laufen genügend Dinge, sodass es gar nicht wirklich darauf ankommt.

Welche Zutaten braucht es, um einen Matrixxmantrack zu kochen?

Matrixxman: Eine analoge Drum-Machine und eine Prise Verrücktheit.

Wenn wir schon dabei sind; wie sieht's mit deinen Kochkünsten aus?

Matrixxman: Ich würde nicht behaupten, kulinarische Begabungen zu heben wie Kochen. Ich kann jedoch etwas essbares Zubereiten. Generell aber bin ich ein Fan von Salat oder in der Pfanne gebratenem Gemüse mit Fisch. Einfache Sachen halt.

Meine Freunde wollten unbedingt wissen, warum du dich "Matrixxman" nennst, und ob eine Verbindung zum Matrix Film besteht?

Matrixxman: Die Herkunft meines Alias hat keinen Bezug zum Film. Wenn dann ist es eher am Drehbuchautor William Gibson orientiert, als Wachowski. Ich bin regelrecht von der technologischen Sonderbarkeit und dem Transhumanismus besessen. Anfangs war der Alias eher als Spass gemeint und sollte jemanden beschreiben, der in einer Maschine gefangen ist. Aber über die Zeit fand der Name immer mehr Anklang und ich sah mich selber als einen Menschen, der sich irgendwie an den Grenzen des körperlichen Daseins bewegt.

Kannst du mir einen Tipp geben? Was braucht es, um heutzutage ein guter DJ zu werden?

Matrixxman: Ignoriere was Leute als cool bezeichnen und grabe dich in die Plattenkisten. Es gibt DJs, die der Bekanntheit wegen auflegen und es gibt die, welche es allein wegen der Liebe zur Musik tun. Entdecke Neues nur für dich selber. Finde Stücke, die dich glücklich machen und die möglicherweise auch andere Leute feiern könnten. Tracks, die niemand kennt und trotzdem hart einschlagen. Den Leuten hängen die alten Routinen zum Hals raus, also komm aus der Komfortzone und riskiere etwas. Wenn du an einer House-Party spielst, dann spiel einen Techno-Track. Umgekehrt, wenn du an einem Techno Event bist, dann hau einen Disco oder Deep House Stück rein. Jeder der Diversität verabscheut, ist ein engstirniger Nazi, den du sowieso nicht beeindrucken musst.

Ganz ganz lieben Dank für deine Tipps und dass du aus deinem Leben erzählt hast. Es war mir eine Ehre und es hat richtig Freude gemacht.

Matrixxman: Es war schön mit euch zu sprechen. Macht's gut!

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