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Mein Anspruch an den DJ

Am 6. Mai hat Ryan Keeling auf Resident Advisor, unter dem Titel "DJing shouldn't be easy", einen sehr interessanten Beitrag veröffentlicht, in dem die Faulheit von DJs angesprochen wurde. Dieses Thema beschäftigt mich ebenfalls von Klubbesuch zu Klubbesuch. Und Ryan Keeling denkt, dass wir dabei sind, Faulheit in der DJ Booth zu akzeptieren ... und ich kann ihm da irgendwie nicht widersprechen.

"At a time when the image of the DJ has never been more maligned and misunderstood in popular culture, I worry that the part of the scene that's popularly referred to as the underground could come to embody the lazy, "pressing play" stereotypes that outsiders so often associate with dance music."

Man sieht öfters DJs, welche ziemlich regungslos hinter den Decks stehen und von Track A zu Track B syncen. Daran ist ja grundsätzlich nichts falsch, aber sollte ein DJ seine Musik nicht fühlen und sich irgendwie zur Musik, die er spielt, bewegen? Ich begann mich zu fragen, was für mich ein DJ Set ausmacht und ich kam zum Schluss, dass dies natürlich die Musik ist. Die Musik steht für mich im Zentrum. Der DJ ist der Selektor und gestaltet zusammen mit dem Publikum die Nacht. Trotzdem, wenn ein DJ nur regungslos Track an Track reiht und gelangweilt aussieht, fehlt irgendwas.

Hunee ist für mich ein wunderbares Beispiel. Der in Amsterdam lebende DJ gehört für viele zu den besten DJs, weil er weiss, wie seine Sets zu gestalten. Was mich bei seinen Auftritten am meisten in den Bann zieht, ist, wie er sich mit der Musik identifiziert und mit ihr mitgeht. Er liebt seine Musik und überträgt diese Energie und Freude auf die Tänzer. Ihm kann man Faulheit bestimmt nicht vorwerfen.

Ich stellte fest, dass ich DJs, welche mit Vinyl spielen, tendenziell spannender finde. Bei Vinyl gibt es kein Geloope und kein Gesynce. Auch die Panik, wenn die Nadel langsam das Ende der Platte erreicht und man mit dem Beatmatching noch nicht fertig ist, fällt weg. Dabei lassen genau solche Momente eine Spannung entstehen, die jeden Mix einzigartig macht. Fehler beim Beatmatching machen einen DJ nicht schlecht, sondern authentisch.

Ich verstehe natürlich auch die Vorteile der Sync Funktion. Acts, welche nicht nur von Track A zu Track B wechseln, sondern Liveelemente einbauen, brauchen diese Funktion unbedingt und bringen so auch neue spannende Einflüsse. Doch müssen wir uns mit Faulheit in der DJ Booth abfinden?

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