Review: Hamam House 1
International Radio Festival

Hässliche Schuhmode in Berlin

Sorry, dass die Montagslektüre diesmal am Dienstag kommt. Bin erst jetzt wieder zurück aus meinem einwöchigen Aufenthalt in der Hauptstadt Deutschlands. Berlin, die Metropole die bekannt für ihr pulsierendes Nachtleben ist. Was soll ich sagen? Ich hatte eigentlich gedacht, dass das Berliner Volk ein anspruchsvolles Publikum ist, wenn es um elektronische Musik geht. Aber es schaut aus, als gingen die meisten Clubber in die Lokale nur um Drogen zu konsumieren – legale wie illegale.

Man stelle sich vor, ein Openair Club am Wasser der Spree, verschwitzte Kokser auf der Tanzfläche und ein Haufen Teenager zu betrunken um aufzustehen. In einer dunklen Ecke treiben es gerade zwei Touristen, die nur von den wenigen nüchternen Gästen bemerkt werden. Zwischendurch wird man von dem einen oder anderen Typ angesprochen der denkt, dass man unbedingt seine Lebensgeschichte hören will.

„Und wie ist so das Deutsche Lebensgefühl?“

„Keine Ahnung man, bin erst seit zwei Jahren hier.“

„Wie kommt’s, dass du so gut Deutsch sprichst?“

„Ich war in Ägypten am Deutschen Gymnasium. Und dann hab ich mich entschieden, hierher zu kommen um Physik zu studieren. Wird wohl aber nichts, meine Noten sind die reinste Katastrophe. Hätte ich doch nur Jura gewählt. Ich denke ich schmeiss alles hin und geh zurück nach Kairo um das Brezelgeschäft meines Vaters zu …“

„Ben, sag mal, bist du auf der Suche nach etwas?“

„Eeeh, nein.“

„Ja dann hau doch ab!“

Manche Veranstaltungen sind einfach nur Enttäuschend. Das Nachtleben dort lässt sich ganz einfach mit Mallorca vergleichen. Saufen und johlen bis zum Umfallen – nur zu anderer Musik.

Während dieser ganzen Woche gab es aber eine geile Party, für die sich der Weg nach Berlin gelohnt hatte. Das Set des Schweden Kornél Kovács im Club About Blank war genau das, was ich hören wollte. Lustiger weise war in diesem Club niemand – beim ersten Anblick zumindest – auf Drogen. Hier fand ich endlich das anspruchsvolle Publikum, dass den Club bewusst nur der Musik wegen aufgesucht hatte. Die Party war nahezu perfekt, wären da nicht die Berliner Überhipster mit ihren hässlichen Schuhen aus dem vorletzten Jahrzehnt. In der Modestadt Berlin sind zurzeit die schwarzen Sandalen mit dem breiten elastischen Band aus dem Repertoire von Steve Madden in Mode. Und weil ja angeblich Zürich die Schwesterstadt Berlins sein soll, kann man die hässliche Schuhmode inklusive Sandalen mit Socken auch hier erwarten. Mal sehen, ob die Mode noch diesen Sommer ankommen wird.

Vorerst aber noch ein bisschen Musik:

Gruss,

P.

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