Review: Max Essa - Cascade Moon
Review: Stump Valley - Magica Movida EP

Interview: KAMMA

Laura ist aus Amsterdam, lebt dort und ist dort aufgewachsen. Eigentlich wollte sie nicht denselben Weg einschlagen den ihre Eltern bereits gegangen sind. Doch in manchen Fällen tritt man nach der Rebellenphase dann trotzdem in dessen Fussstapfen. Zu sagen, Laura sei mit Musik aufgewachsen, wäre gerade zu untertrieben. Bei ihr zuhause stapelt sich das Vinyl bis unters Dach, denn beide Elternteile waren DJs. Nicht weil es "cool" ist Platten aufzulegen, nein, sie waren DJs um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Zuerst schlug sie ihren ganz eigenen Weg ein. Sie begann ihr Studium, beschloss jedoch kurz nach dessen Abschluss ebenfalls ins Musikgeschäft einzusteigen. Es entstand eine Eventagentur mit dem Namen „Brighter Days“, welche sich im Untergrund Amsterdams bewegt und ihr Augenmerk auf hohe Qualität legt; sei dies bei den DJs oder der Soundanlage.

Mit Zugang zu einem schier unermesslichen Fundus an Musik bei sich Zuhause und dem Gespür für hochstehende Musik kam bald die Frage auf, wieso Laura nicht selbst mit dem Auflegen beginnt. Kurz darauf dann die ersten Auftritte über ihre Booking-Agentur, danach durfte die talentierte Plattenlegerin bereits ihre ersten Erfahrungen im Ausland sammeln. Auf Ibiza bespielte sie für einige Monate Bars und Klubs.

Ich habe Laura im Volkshotel, etwas ausserhalb des Stadtzentrums von Amsterdam auf einen Kaffee getroffen und mit ihr etwas über ihre Stadt, die Musik und natürlich auch über ihre Tätigkeiten gesprochen.


Ich habe deine Mixtapes gehört und bin begeistert von deiner Musikauswahl! Wie würdest du die Musik, die du spielst, beschreiben und wie würdest du deinen Musikgeschmack definieren?

Laura: Du erwähntest vorhin das Wort „Organisch“ in Bezug auf mein Mixtape und ich denke, das widerspiegelt meine Musik perfekt! Ich würde sagen, mein Stil ist sehr vielseitig. In Genres zu sprechen mag ich eigentlich nicht, lieber in Gefühlen und Emotionen. Ich liebe verträumte Vibes, kosmische Elemente und viel Perkussion. Deswegen nannte ich mein neustes Mixtape „Cosmic Jungle Mix“ :-) Wenn ich vor Leuten spiele, mag ich es einen Kontrast mit Sound und Emotionen zu kreieren. Von deep und dark zu fröhlich und hell.

Als Zuhörer auf der Tanzfläche mag ich solche Kontraste selbst ganz gerne, denn 2 Stunden zu düstere Musik tanzen macht mir nicht so Spass. Du veranstaltest ja selbst Partys, wenn du jetzt die Möglichkeit hättest, das Booking für ein Festival zu machen und du kannst jeden Künstler engagieren, den du willst, welche 3 Namen müssen in deinem Festival Line-up stehen?

Laura: Diese Frage gefällt mir! Ohne Zweifel müssen Ron Trent, Joe Claussell und Larry Heard auf meinem Festival auftreten. Diese Drei gehören zu meinen grössten Inspirationen. Alle Drei sind grossartige Produzenten und ebenso gute DJs. Ihre Musik und ihr Gespür für die Musik ist so feinfühlig und gleichzeitig kraftvoll. Ich könnte noch den ganzen Tag erzählen, wieso sie so gut sind, aber ich möchte dich ja nicht damit belästigen.

Apropos, ich bin mir nicht sicher, ob Larry Heard auch spielen könnte, denn er hatte seinen letzten Auftritt im Jahr 2011, soviel ich weiss. Man sagt, er wolle seine Ohren schützen und sich nur noch auf das Produzieren fokussieren. Also falls er nicht spielen würde und es mir erlaubt ist, ihn mit einem andern DJ auszutauschen, dann schnappe ich mir Lil Louis! Er ist jemand, der sehr vorausschauend denkt und handelt in seinen Sets und auch in seinen Produktionen.

Und hätte ich magische Kräfte, so würde ich Larry Levan ebenfalls dem Line-up hinzufügen. Zudem würde ich mich noch darum kümmern, dass an meinem Event das Soundsystem der Paradise Garage aufgestellt werden würde. ;-)

Dieses Festival werde ich ganz sicher besuchen! All diese DJs haben nicht nur die Housemusik mitgeprägt, auch als DJ sind sie noch immer Identifikationsfiguren. Du legst selbst gerne mit Vinyl auf und als Plattensammlerin kaufst du deshalb bestimmt auch immer mal wieder ein.. mich würde interessieren, welche Platte du dir zuletzt gekauft hast..

Laura: Es war eine von Murk Records! Coral Way Chiefs – Release Myself. Ich mag die Grundelemente in dem Stück mit diesen verträumten Vocals.

Man hört die Verträumtheit förmlich raus! Nun stell dir vor, du hast die Chance in einer Zeitung über etwas zu schreiben, das dich stört, oder belastet, worüber würdest du schreiben und wie würde es in etwa klingen? – Du hast mir zum Beispiel erzählt, du möchtest etwas gegen den generell herrschenden Pessimismus unternehmen. Wie willst du das machen?

Laura: Naja, ich möchte nicht ausschliesslich etwas gegen den generellen Pessimismus unternehmen, aber die Frage geht ja darum, worüber ich schreiben würde, dass ich nicht mag. Generell kann man sagen, dass ich all diese Negativität in der Welt satt habe. Es beginnt schon auf meiner Facebook Timeline. Sie ist voll mit einfachem alltags Bullshit wie dem Wetter und Zugverspätungen. All diese spiessigen Geister mit unausgeglichenen Ansichten! Natürlich tut es gut sich von Zeit zu Zeit auszuheulen, aber bitte versuch es für dich zu behalten oder es nur mit deinen engsten Freunden oder der Familie zu teilen, anstatt es in den sozialen Netzwerken zu verbreiten oder jedem x-beliebigen auf einer Geburtstagsparty zu erzählen.

Aber um ehrlich zu sein, mag ich diese Frage nicht. Es macht keinen Spass sich darüber aufzuregen. Ich versuche Abstand zu diesen „das Glas ist halb leer Menschen“ zu halten und stattdessen gute Musik zu hören.

Gute Musik ist ein sehr gutes Stichwort. Gibt es etwas, das in Amsterdam, in Bezug auf die Musik, fehlt?

Laura: Wir hatten einen Klub, hier gleich gegenüber, der Trouw. Der wurde aber dichtgemacht. Seither fehlt der Stadt eine anständige Location mit guter Soundanlage und einer Ausstrahlung, welche über die Landesgrenze hinausgeht. Es fehlt definitiv ein guter Klub, welche auch eine Klubkultur mit sich bringt, die Amsterdam so dringend braucht. Allein schon um all den guten Künstler eine Heimat zu geben oder um ihnen überhaupt eine Plattform bieten zu können.

Was macht überhaupt einen guten Klub aus, was braucht es deiner Meinung nach? – Unter welchen Voraussetzungen spielst du beispielsweise am liebsten?

Laura: In Klubs mag ich es, wenn eine intime Stimmung auf der Tanzfläche entstehen kann. Dazu braucht es gar nicht viele Leute, 100-200 Leute reichen da völlig aus. Natürlich ist die Musikanlage das Wichtigste. Denn wie die Musik zu den Menschen getragen wird, davon hängt alles ab. Jetzt im Winter, da haben wir hier das Problem, dass keine geeigneten Orte vorhanden sind. Im Sommer ist das ganz anders. Mit all den Musikfestivals in und um Amsterdam brauchen wir keine Klubs. Es ist am schönsten im Freien zu spielen; es gibt nichts Schöneres!

Zum Schluss noch die Frage, wie es mit eigenen Produktionen aussieht. Darf man da bald etwas erwarten?

Laura: Ja ich habe im letzten Jahr mit dem Produzieren angefangen. Habe mir einen MPC und einen Roland AIRA Synthesizer gekauft und spiele nun auf ihnen herum. Mein Kopf ist voller Inspiration, aber ich muss noch viel lernen. Es ist noch ein weiter Weg, bis ich die Ideen in meinem Kopf in einen sauberen Track übersetzen kann. Aus diesem Grund kann ich dir noch nicht sagen, wann es so weit ist, vielleicht wird es auch nie dazu kommen. Ich lasse mich mit der Musik treiben und versuche jeden Tag etwas Neues zu lernen.

Kommentare