Platten-Review: Dezember 2015
Review: Various Artists - That's A Steal 1

Interview: Relaén

Es liegt vielleicht daran, dass ich in letzter Zeit nicht mehr so viel neue Musik höre, oder einfach die Falsche, denn letztens hat mich Angelo, eine meiner guten Musikquellen, auf eine neue Band aufmerksam gemacht: Relaén haben mich mit Ihrem Debütalbum Twines regelrecht umgehauen.

Einfach anzuhören und doch Komplex. Oder wie es Olivia (Gesang, Klavier, Synth) in einem Interview für dlso.it selber beschreibt:

Im Grossen und Ganzen ist es uns aber am wichtigsten gewesen, einen entspannten Sound zu kreieren und ein Gefühl von Liebe zu vermitteln.

Das ist Ihnen definitiv gelungen. Auch ich durften Ihr ein paar Fragen stellen:


Warum ein Reh? Steht Relaén für Rehlein?

Olivia: Ja, Relaén stammt von dem Wort „Rehlein“. Als ich ein Kind war, war das mein Spitzname und bei uns zuhause war es meinen Geschwistern und mir erlaubt, überall an die Wand zu malen. So schrieb ich mit etwa 4 Jahren meinen Namen an die Wand, „RELAEN“ buchstabiert. Es ist auch eine Hommage an alle anderen, die ihren Namen an die Wand schreiben, denn Graffiti und Streetart war ein prägender Teil meines Lebens. Also eigentlich ist es ein Fantasiewort. Als ich die Band gründete und einen Namen suchte, gab es intuitiv nichts passenderes als dieses Wort. Das Reh habe ich gemalt, bevor ich wusste, dass die Band so heißen würde, und einfach, weil ich ein Reh malen wollte. Die bunten Ohren stehen für die Wahrnehmung und Liebe zum Farbenreichtum in der Musik. Irgendwie floss dann alles ineinander.

Von welchen Musikrichtungen kommt Ihr bzw. welche Musik habt Ihr vorher gemacht bzw. macht Ihr abseits von Relaén?

Marco: Ich komme vom Hip Hop, Funk und Soul, aber auch Techno und House sind nicht spurlos an mir vorbeigegangen.Mache sonst Jazz, Hip Hop, Funk und elektronische Musik.

Olivia: Ich habe sehr lang ausschließlich Klassisches Klavier gespielt aber nebenbei immer Hip Hop und Jazz gehört, und bin später dann zum Jazz gekommen. Liebe neben Hip Hop, Soul, Jazz auch experimentelle Musik, elektronische Musik, Ambient und Psychedelic Stuff. Spiele noch Keys in einer Jazz/Soul/Hip Hop/Fusion-Band.

Leon (Drummer): Ich komme vom Hip Hop/Reggae/Drum and Bass/Lounge. Mache sonst Jazz, Reggae und Hip Hop.

Leon (Bass): I come from the Rock-Hiphop-Reggae-Gangsta Rap!

War von Anfang an klar, wie Relaén klingen sollte oder hat sich das erst mit der Zeit ergeben?

Olivia: Ich wollte einen entspannten Sound voller Liebe kreieren. Was mit den Jungs dann genau entstand und entsteht, zeigt sich immer erst beim Machen. Es treffen immer vier verschieden beeinflusste Musiker aufeinander. Wir hatten alle den Sound von laid back Hip Hop im Gefühl, was ein wichtiger Teil für uns ist, aber wie die erste Platte klingen wird, wusste ich vorher auch nicht genau, es entstand einfach und wurde zu dem, was es ist.

Leon (Drummer): Für mich hat sich der Sound von Relaén ganz klar mit der Zeit und dem Kennenlernen meiner Mitmusiker ergeben.

Marco: Mir geht es ähnlich wie Leon, die Absicht, irgendwie in Richtung beatorientierten und organischen Jazz zu gehen, war aber, glaub ich, bei allen am Start.

Leon (Bass): Ich glaube, dass Relaén sich noch immer auf der Suche nach "dem" Sound befindet. Nur die Richtung, einen Mix aus Soul, Hip Hop, Beats und Jazz zu machen, stand irgendwie von Beginn an.

In was für einer Location spielt ihr am liebsten?

Marco: Am liebsten in kleinen Clubs. Leon (Drummer): Ich spiele am liebsten auf großen Open Air-Bühnen.

Leon (Bass): Clubs bis 400 Leute, weil da die Energien zwischen Publikum und Band noch am geilsten rüberkommen.

Olivia: In einem vollen energetischen Raum, in dem man Kontakt zum Publikum aufbauen kann. Egal, wie groß oder klein!

Wenn du/ihr ein Openair-Lineup mit drei Künstlern zusammenstellen könnted, wie würde das aussehen?

Leon (Drums): Sehr schwierige Frage...: Bob Marley, fiktives Quartett aus Avishai Cohen, Questlove, Gilad hekselman und Bill Evans und J Dilla.

Olivia: Thundercat, Flying Lotus und Herbie Hancock als Trio, Ari Hoenig Quintet, Hiatus Kaiyote.

Marco: D'Angelo, Hiatus Kayote und Antonio Sanchez Migration Band mit Seamus Blake am Saxophon.

Leon (Bass): Die Antwoord, Damian Marley mit Live-Band, Queens Of The Stone Age oder Desert Sessions Crew.

Welche platte hast du zuletzt gekauft?

Leon (Drums): AOR von Ed Motta.

Olivia: Membrane Pop von Sculpture.

Marco: Tatsächlich auch die AOR von Ed Motta.

Leon (Bass): Free the Universe von Major Lazer.


Die Musik ist mindestens genauso gut wie die Leute von Relaén sympathisch sind. Darum kann ich Twines, wie bereits erwähnt, nur wärmstens empfehlen. Bei Bandcamp gibt es das gute Stück zum Download oder als CD:

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