Jordan Rakai: Underground Soul aus Down Under
Musik "hören" - der feine Unterschied

Platten-Review: Februar 15

Wir haben Musik für schönes Wetter, schlechtes Wetter und sogar für Schnee. Egal, in welcher Lebenslage du gerade steckst, draussen, nass und fast am erfrieren oder im warmen Büro neben der Zentralheizung, im Review für diesen Monat ist genau die richtige Musik. Jack Pattern, Rina Lou, Unsere Beweggründe, der Plattenladen OOR Records und der Musikkenner und Plattensammler Signore Sarno, teilen mit euch ihre liebsten Platten.

Signore Sarno | Zürich: Das Album auf dem bösen Major nach Dilla's Ausstieg konnte damals niemand leiden. Und die vom Dilla Dawg beigesteuerten Beats waren ihrer Zeit auch weit voraus bzw. waren zeitlos am Geschmack der Zeit vorbeikomponiert. Aber eben: Zeit heilt alle Wunden und die Scheibe dürfte zeigen, wie man ein wunderbares rundes zweites (oder von mir aus auch drittes) Album macht und es eben niemanden interessiert.

Der Hit "Tainted" mit dem seit Ewigkeiten unterschätzten Dwele im Hook ist etwas in die Jahre gekommen, zaubert aber immer noch ein Lächeln auf die Lippen und ein Wippen auf die Hüften. Mit atomarer Halbwertszeit strahlt das geniale "Star" groovig und clapprig um die Wette mit "Let's", einer Dillaproduktion, bei der wieder wie bei Jay Dee's "BigBootyExpress" das übersteuerte Metronom zum Einsatz kommt. Wunderschön technoide Klänge aus Motor City. Klaustrophobische Stimmung lässt Dilla dann im darken "One" mit düsteren Streichern aufkommen, welche immer wieder durch eine unerwartete Pianofingerübung unterbrochen werden.

Bei "Slumber" kommt ein knackiger Hi-Tek-Beat zum Einsatz; Claps und Bassfetzen umschmeicheln die Vocals der um den Vocalisten Elzhi angereichteren Slum Villagers. Der aus Ohio stammende Hi-Tek war wohl schon immer ein Bruder im Geiste und ist ein weiterer Künstler, der nie seine verdiente Aufmerksamkeit bekommen hat. Und mit "What Is This" wartet das Album auch noch mit einer groovigen Brokenbeat-Perle auf.

Ein Album für die Ewigkeit. Hör ich im Endlosdurchlauf. Man könnte schon fast in den schon damals laut klingenden Kanon einstimmen: Früher..... Discogs


Jack Pattern | Zürich: Ruff, Acid, 707 track hit einem super sexy vocal. geht ein bisschen zurück ins elekro der 80 genau deswegen super fresh! Die remixe sind nicht so unser ding, aber sicher auch nicht schlecht. aber niemals so outstanding :) wird gegen Schluss ziemlich wild und ist perfekt für ne spezielle peaktime. haben es in der wilden Renate an der afterhour gespielt, kam super an.


Rina Lou | Zürich: Das New Yorker Duo Bedouin zog meine Aufmerksamkeit schon im vergangenen Jahr auf sich, als es im Mai den Track „Indecision“ auf dem Label Supernature releaste. Die zwei kennen wir für ihre sphärische Deepness und damit überzeut das Duo auch auf ihrer neuen EP „Whispering Words Of Wisdom EP“ (Kindisch) in 4 easy-going aber fein ausgearbeiteten Tracks.


OOR-Rec | Zürich: TOMAGA - Futura Grotesk, herausgegeben Herbst 2014 auf dem französischen Label "Hands in the Dark". Das Duo um Valentina Magaletti (Oscillation, Shit & Shine) und Tom Relleen (Oscillation) webt ein seltsames zauberhaftes Netz von beruhigender Atmosphäre, radiophonen Texturen, Industriesound so düster, wie es schön ist. Angetrieben von Valentinas Magaletti's erfinderischem Schlagzeug experimentieren Tomaga in abenteuerlicher Abstraktion und kunstbasierten Ansatz.


Unsere Beweggründe | Zürich: Purposely Uncertain Field – Lake People. Normalerweise schreibt Unsere Beweggründe ja ausschliesslich über Schweizer Musik, bei Martin Enke alias Lake People machen wir heute mal ne Ausnahme. Der Produzent aus Leipzig versteht es wie kein anderer, winterliche Melancholie mit seiner Musik verschmelzen zu lassen und den Hörer in warme Tagträume zu entführen.


Wir möchten wieder unseren Dank den Künstlern aussprechen, dafür, dass sie bereit waren, um mit uns ihre Lieblingsmusik zu teilen. Supportet sie, besucht sie bei Auftritten und kauft ihre Musik, damit wir auch in Zukunft Musik von grossartigen Künstler hören dürfen.

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