«Ich bin einfach mit dem Trottinett eingefahren»

Lil Bruzy, Zürich Von Jenia Jost am

Lil Bruzy verkörpert mit seinem Mundart-Trap ein Movement, das vor allem eine ganz junge Generation anspricht. Er selbst macht einfach worauf er Lust hat.

«Hät öppert mis Trottinett gseh? Es isch grüen und hätt gäli Streife?» Nein? Leider hat Lil Bruzy sein Trottinett am Hauptbahnhof Zürich verloren. Dafür hat er sein Talent entdeckt: Mundart-Trap. Mit einer grossen Fanbase zieht er Scharen von Jugendlichen an und es werden von Auftritt zu Auftritt mehr.

Stilles Wasser oder doch lieber mit Sprudel? Lil Bruzy will sich nicht festlegen. Foto: Lil Bruzy by Evan Ruetsch

Manch einer möchte vielleicht die Nase rümpfen über die Musik, die sich Trap nennt. Sie verkörpert einen Zeitgeist, der, wie es scheint, nur bei einem jungen Publikum Verständnis findet. Die Herangehensweise beinhaltet viel Selbstironie und das Publikum feiert sich selbst genauso wie den Artisten. Vor vollem Haus trat Lil Bruzy im von BlauBlau und Perlaton eröffnetem Pop-up-Club 24h Shop an der Langstrasse, oder am 10. Geburtstag der Bar3000 in Zürich auf. Grund genug, um mit der Person hinter dem Pseudonym Lil Bruzy zu sprechen.

Wer ist Lil Bruzy und woher kommt er?

Lil Bruzy: Lil Bruzy würde ich als einen Rapper bezeichnen. Er lässt sich treiben und weiss noch nicht genau, in welche Richtung. Seine aktuelle Mission ist, den Trap von Zürich aus neu zu definieren.

Und der Name Lil Bruzy, woher kommt der?

Lil Bruzy: Wenn ich ehrlich bin, weiss ich es selber nicht mehr so genau. Mir schwirrten einfach Dinge im Kopf herum, wie zum Beispiel das Wort«Lil Brozy». Dann habe ich ein wenig mit den Wörtern «Bro» und «Lil» gespielt und kam per Zufall auf «Lil Bruzy». Da bin ich dann hängen geblieben. Der Name ist einfach auszusprechen und klingt einfach gut.

Stream: T R O T T I N E T T (prod. by purple cloud)

Woher der Drang, Musik zu machen?

Lil Bruzy: Eigentlich aus Langeweile, Neugierde und Lust. Vor etwa zwei Jahren kam das erste Lied von mir auf die Welt. Ich hatte Lust, das auszuprobieren und habe aus Spass einen Track aufgenommen. Dabei ist an einem Sonntag der Song «Wasser» entstanden. Zuvor habe ich mich an elektronischer Clubmusik versucht und zwei EPs auf zwei verschiedenen Labels veröffentlicht. Aufgelegt habe ich aber nicht. Selber Musik zu machen hat mich schlussendlich mehr gepackt.

Weshalb dann der Sprung zum Hip-Hop und Trap?

Lil Bruzy: Ich hatte schon immer einen engeren Bezug zu Hip-Hop gehabt und gerade diese spezifische Art von Hip-Hop - Trap, die unkonventioneller ist, hat mich stark angesprochen. Die Bellevue Boys habe ich zum Beispiel schon als Kind abgefeiert. Dann habe ich es selbst ausprobiert und Spass daran gefunden. Diese Attitüde von «alles nicht zu ernst zu nehmen» wirkt anziehend auf mich.

Lässt du dich von Künstlern wie den Bellevue Boys inspirieren?

Lil Bruzy: Unbewusst passiert das wahrscheinlich schon. Von einzelnen Elementen, wie zum Beispiel dem Flow und spezifischen Betonungen, lässt man sich ziemlich schnell inspirieren. Bei meiner Musik mache ich jedoch nicht alles selber. Obwohl ich beim Track «Wasser» den Beat selbst gemacht habe. Das ist aber eine Ausnahme. Die meisten Instrumentals hole ich mir im Internet. Man kann die einfach gratis downloaden. Zudem durfte ich ein paar Beats von meinem Kollegen Ilja aka Skillja verwenden.

Hast du Freunde, die auch Hip-Hop-Beats produzieren, mit denen du noch einen Track aufnehmen möchtest?

Lil Bruzy: Ja, es gibt gleich mehrere. Zum Beispiel Akira, Jaron Yung God oder 712 mafia. Natürlich würde ich auch sofort wieder mit denjenigen ins Studio, mit denen ich bereits Tracks gemacht habe. Ich würde mit allen sofort wieder zusammenarbeiten. Heute stösst man über Instagram sehr schnell auf neue interessante Leute mit gleicher Vision. So entstehen fast täglich potentielle Kollaborationen.

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Willst du beim Trap bleiben oder dich irgendwann eine andere Musikrichtung treiben lassen?

Lil Bruzy: Ist das überhaupt Trap, was ich mache? Ich kann es nicht genau sagen. Darum überlasse ich es den Leuten, wie sie meine Musik kategorisieren wollen. Aber ja, ich habe es mir schon überlegt, ein wenig in eine andere Richtung zu gehen. Zurzeit fühle ich mich aber wohl damit, was ich mache, deshalb würde sich eine Veränderung eher in den Details finden.

Ist es deine Absicht, mit deiner Musik den doch eher jungen Leuten, das zu geben, was sie wollen? Denn es steht ausser Frage, dass Trap - oder wie man es schlussendlich nennen möchte - einen ziemlichen Höhenflug erlebt.

Lil Bruzy: Ich möchte mein Ding machen, wie man so schön sagt. Dieses Projekt hat mit keinem Hintergedanken oder Plan angefangen. Es gefällt mir, was ich mache und ich stehe voll und ganz dahinter. Klar, man wird sich weiterentwickelt, darauf freue ich mich. Der Spassfaktor war und ist an oberster Stelle für mich. Ich lasse mich von meiner Lust treiben und mach das, worauf ich gerade Bock habe.

Du spielst aber schon mit einem Auftritt, der wie es scheint, ein Konzept verfolgt. Du hast dir ein Image zurechtgelegt.

Lil Bruzy: Das finde ich interessant. Persönlich weiss ich ehrlich gesagt nicht, ob ich ein Image verkörpere oder, ob ich überhaupt eines will. Ich bin da einfach hinein gerutscht - oder mit dem Trottinett eingefahren - und deshalb gebe ich mich so, wie ich mich gerade fühle.


Titelbild: Lil Bruzy by Evan Ruetsch